Motto

"Journalismus heißt, etwas zu drucken, von dem jemand will, dass es nicht gedruckt wird. Alles andere ist Public Relations."
(George Orwell)

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Wozu das Ganze?

Warum solch ein Blog notwendig sein könnte
von Reinhard Heinrich 
Haus für Viele(s) in Meißen
Am 1.Oktober 2011 traf sich die Landes-AG Rote Reporter (DIE LINKE.Sachsen) im Haus für Viele(s) in Meißen, unter anderem auch zur Wahl ihres Sprecherrates. Von über 70 eingetragenen Mitgliedern waren 9 anwesend, jedoch nur einige wenige fehlten entschuldigt bzw. aus triftigem Grund. Von den 9 anwesenden Mitgliedern wurden dann auch 5 gewählt. Das macht das Dilemma deutlich: Gemeinsames Wirken und konstruktiver Austausch journalistisch arbeitender Linker kann nicht wirklich dauerhaft über Treffen an einem bestimmten Ort zu einem festen Zeitpunkt organisiert werden. Linke Pressearbeit kann nur als kontinuierlicher Begleit-Prozess zum realen politischen Leben verstanden werden und wird durch Vernetzung (dezentral) um vieles leichter und effizienter.
Es war nicht nur nachteilig, dass so viele Teilnehmer fehlten. Die Gelegenheit zum Diskutieren war ausgezeichnet und wurde auch genutzt. Ein Hauptthema war das wechselseitige Verhältnis zwischen linker Presse und linker Partei. In manchen Kreisen darf man davon ausgehen, dass der Kreisvorstand die Presse selbstverständlich als sein Sprachrohr (wenn nicht gar "Zentralorgan") betrachtet und von "seiner" Zeitung mindestens loyale Berichterstattung, wenn nicht gar Jubelberichte, wenigstens aber "heile Welt" im Innern der Partei erwartet - zu den Themen und Ereignissen, die ein Vorstand für wichtig hält. Das sind dann oft "grundlegende Beschlüsse" und umfassende Berichte aus Versammlungen und Sitzungen. So gewinnt man die Herzen der Vorstandsmitglieder und macht eine "gute Parteiarbeit". Vorbildlich in der Innenwirkung - kann man nicht anders sagen.
Einige Kreiszeitungen allerdings bemühen sich, die Herzen der Leser zu gewinnen. Das schafft Unruhe - und  Glaubwürdigkeit, ablesbar an Wahlergebnissen. Dazu gehört auch das Kommunizieren von Widersprüchen, die zwar im allgemeinen als "Triebkraft der Entwicklung" gelten, jedoch konkret vor Ort mitunter lieber unter dem Teppich gehalten werden. Und  über diese Funktion einer linken Zeitung wäre meines Erachtens noch weiter zu diskutieren.
Die Atmosphäre des Treffens insgesamt habe ich als ermutigend empfunden. Linke Redakteure (die Anwesenden wenigstens) in Sachsen sind bereit sich einzusetzen. Und: "Wer sich einsetzt, setzt sich aus." So lautete einmal eine Überschrift in der Weltbühne der 80er Jahre. Und das gilt noch immer.
Und wenn wir uns schon dem aussetzen, was linken Presseleuten immer wieder begegnet, dann sollten wir wenigstens zusammenhalten - auch wenn wir in Einzelfragen unterschiedlicher Meinung sind.
Denn manchmal hängt der Stadtpunkt auch von der Stellung zu den Produktionsmitteln ab. Und ein angestellter Journalist (auch Nebenberufs-Journalist) tickt vielleicht ein wenig anders als ein (von Lohn und Brot) freier Journalist. DIE LINKE in Sachsen leistet sich gegenwärtig beide Arten - weil beide Gruppen etwas zu leisten bereit sind. Und das ist vielleicht gar nicht so schlecht. Zumindest für kritische Berichterstattung.

1 Kommentar:

  1. Das alles scheint niemand einen Kommentar wert zu sein. Was vieles erklärt.

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